Können Tattoos vor Krebs schützen?

By on 10. Februar 2017

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Noch vor ein paar Jahren standen Tattoofarben in der negativen Presse. Jetzt sorgen die Pigmente der flüssigen Buntmacher für positive Schlagzeilen

Die Überschrift des Artikels liest sich zunächst einmal wie eine recht ordinäre Boulevard-Headline. Die Intention der Überschrift ist sogar zugegebenermaßen die selbe, wie die einer reißerischen Schlagzeile. Doch darüber hinaus beruhen die folgenden Erkenntnisse durchweg auf Fakten. Bevor wir erklären, wie Tattoos tatsächlich vor Krebs schützen können, wollen wir die Frage beantworten: Wie entsteht eigentlich Hautkrebs?

Als Hautkrebs selbst bezeichnet man alle bösartigen Veränderungen der Haut. Umgangssprachlich wird dieser Krebs auch malgines Melanom genannt. Dieser „schwarze Krebs“ ist sehr gefürchtet, die aggressiven Mutationen bilden sehr schnell Metastasen und befallen dann die Lymphknoten und inneren Organe. Pro Jahr erkranken ca. 20.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Bei ca. 2.700 davon ist er so weit fortgeschritten, dass sie daran sterben. Etwa alle sieben Jahre verdoppelt sich die Zahl der an einem Melanom erkrankten Patienten. Dies wurde früher in erster Linie auf Veränderungen der Freizeitgewohnheiten zurückgeführt. UV-Strahlung gilt als die wichtigste umweltbedingte Melanomursache. Der Zusammenhang von Sonnenstrahlung und Krebshäufigkeit wurde erstmals von Eleanor Josephine Macdonald auf Basis des von ihr in den USA errichteten Krebsregisters nachgewiesen. „Trotz vieler Aufklärungskampagnen in den letzten zwei Jahrzehnten konnte das Schönheitsideal „braun sein = gesund sein“ allerdings noch nicht ausreichend korrigiert werden, so dass trotz gestiegenen Gesundheitsbewusstseins die Zahl der Neuerkrankungen jedes Jahr weiter ansteigt“

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum sieht als wesentlichen Umweltrisikofaktor die exzessive Exposition gegenüber Sonnenlicht an. Daneben spiele der Hauttyp als endogener Faktor eine entscheidende Rolle. Rothaarige, die eine gegenüber UV-Strahlung besonders empfindliche Haut haben, erkranken statistisch gesehen 4,7× häufiger an einem malignen Melanom als Schwarzhaarige. Hier ein paar Fakten über die Risiken beim Sonnenbaden: Nach übermäßiger UV-B- und UV-A-Einwirkung kommt es zum Sonnenbrand. Diese heftige Entzündung der Haut führt neben starken Lokalreaktionen (Blasenbildung bis hin zur Narbenbildung) auch zu Reaktionen wie Fieber und Schüttelfrost. Durch ständige Sonneneinwirkung kommt es vor allem zur „Lichtalterung“ der Haut. Die langwelligen UV-A-Strahlen dringen in tiefere Hautschichten ein und zerstören dort langfristig die elastischen Fasern. Folge ist die sogenannte „Landmannshaut“. Und hier liegt auch das Tattooproblem, denn die UV-A Strahlen sind maßgeblich für die Schädigung eines Tattoos verantwortlich. Doch auch der häufige Besuch des Sonnenstudios und regelmäßiges Sonnenbaden im Sommer oder im Urlaub führen zu diesem Phänomen – nicht nur der Sonnenbrand selbst also kann dem Tattoo schaden! Die UV-A Strahlung ist mit seinen langen Wellen und der Bildung freier Radikale, hauptverantwortlich für ein überdurchschnittlich hohes Melanomrisiko.

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Kommen wir nun zu der Erklärung, wie Tätowierungen tatsächlich vor Hautkrebs schützen können. Die Erklärung ist ebenso kurz wie simpel. Die in der Haut eingeschlossenen Farbpigmente schützen vor der zuvor beschriebenen gefährlichen UV-Strahlung. Während auf der Haut aufgetragene Sonnencremes mit Hilfe ihrer Inhaltsstoffe gefährliche UV-Strahung reflektieren, funktioniert der Sonnenschutz mit Tattoo-Motiven nach dem selben Prinzip. Die amerikanischen Wissenschaftler Lerche, Sepehri, Poulsen und Wulf haben in umfangreichen Labortests die Wirksamkeit von Tattoofarben gegen Hautkrebs nachgewiesen. Alle vier arbeiten seit vielen Jahren für die Krebsforschung und leisten mit ihrer Forschungsarbeit einen wichtigen Beitrag zu Bekämpfung des tödlichen Krebs. Die Versuchsanordnung der Wissenschaftler ist aber leider aus moralischer Sicht umstritten und in keinster Weise mit modernem Tierschutz vereinbar, da sie bei ihren Experimenten auf Tierversuche zurückgreifen. Trotzdem möchten wir auf die Forschungsdurchführung und deren Ergebnisse näher eingehen. Die Wissenschaftler nahmen zwei Gruppen von Labormäusen. Der einen Gruppe wurde schwarze Tattoofarbe unter die Haut injiziert, die andere Gruppe blieb als Kontrollgruppe tattoofrei. Beide Gruppen wurden nun schädlicher UV-Strahlung ausgesetzt. Die Resultate überraschte selbst die amerikanischen Wissenschaftler. Alle Mäuse ohne Tattoo entwickelten bösartigen Hautkrebs. Die Gruppe der tätowierten Mäuse hingegen hatte kaum Fälle von melanignen Hautveränderungen. Die Erklärung der Wissenschaftler: Unter die Haut eingebrachte Farbpigmente sind in der Lage gefährliche UV-Strahlung zu reflektieren und die Haut dadurch effektiv zu schützen. Je dunkler die Farbpigmente, desto stärker war bei den Forschungen der Amerikaner der Schutz für die Haut. Vor allem schwarze Pigmente zeigten einen besonders hohen Schutzfaktor.

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Nach Aussage der Wissenschaftler Poulsen und Wulf sind die Forschungsergebnisse definitiv auch auf den Menschen übertragbar, da die Entstehung der malginen Melanome bei Mäusen und Menschen durch die selben Faktoren hervorgerufen, beziehungsweise stark begünstigt werden. Tätowierte haben zwar durch starke Sonneneinstrahlung das Problem, das die UV Strahlung die Qualität des Tattoos verändern, doch dunkle Pigmente in den Tattoofarben steigern bei ihnen den Schutz vor der gesundheitsschädigenden UV-Strahlung. Inzwischen sind wir also an einem Punkt angelangt, der moderne Tätowierungen in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen. Früher wußte man nicht viel über die vielfältigen Inhaltsstoffe der unterschiedlichen Tattoofarben. Seit vielen Jahren werden diese durch staatliche Richtlinien kontrolliert und gegebenenfalls angepasst. Gesundheitliche Risiken wurden von Jahr zu Jahr minimiert und nun gibt es die ersten stichhaltigen und belegten Beweise, dass Tattoos sogar die Gesundheit des Trägers schützen können. Fotos: Science Photo, Tefi, Oscar Williams, Sergii Votit, Ronald Sumners – shutterstock.com

 

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