Artist Caesar Tattoo in New York

By on 16. Januar 2017

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High End Tattoos aus der Stadt, die niemals schläft

ujwkltfh – Tschuldigung, aber mir ist gerade die Kinnlade auf die Tastatur gefallen. Kein Wunder, wenn man die Arbeiten von Tätowierer Caesar aus New York zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Seine episch bildgewaltigen Tätowierungen sind voller Kraft, Ausdruck und Fantasie, in erster ­Linie aber – „Voll Schwarz“.

Es sieht aus, als müßte er Schwarz gleich wöchentlich in Gallonen bestellen, denn während man anderswo ein wenig schattiert, diverse Linien zieht und lediglich Akzente setzt, da verwendet Caesar den dunkelsten aller Farbtöne gerne auch mal für einen kompletten Hintergrund. Daraus beziehen viele seiner Werke auch diese außerordentliche Power, diesen starken Kontrast, der dem Betrachter sofort ins Auge fällt. Und obwohl ­Caesar mit Schwarz derartig aufs Gas geht, wirken seine Schattierungen dennoch butterweich und stimmig. Einzigartig sind seine epischen Motive, die ich in derartiger Qualität nur selten gesehen habe. Gründe genug, den gebürtigen Ungarn um ein Gespräch zu bitten, oder?
TS: Die meisten deiner Arbeiten wirken wie aus einem Guß. Kaum Linien und dabei ultraweiche Schattierungen bestimmen das Bild. Wie bist du zu diesem eigenen Tattoo-Stil gekommen?
Caesar: Um ehrlich zu sein, ein Stil ist nichts, das man planen kann, entweder er entsteht oder aber nicht, und spiegelt dabei im Grunde nur wider, was du magst oder haßt. Also geht es vielmehr darum, was man fühlt. So gesehen, hat dieser Stil mich gefunden, nicht umgekehrt. Technisch betrachtet, wenn du dich für eine realistische Arbeit entscheidest, dann mußt du den Regeln der Natur folgen und da gibt es nun mal keine Outlines. Normalerweise versuche ich das aber so gut es eben geht, zu ignorieren. Bezüglich der Schattierungen…nun, je weicher, des­to besser! Ich finde es visuell befriedigender, wenn ich die Form durch das Licht und die Umrisse zusammen mit deren Ergebnis, den Schatten, regelrecht fühlen kann. Zusammen bilden sie das,was du siehst. Ich habe mir das Tätowieren selber beigebracht, denn in meinen Anfängen 1993 – 94 gab es in meiner Nähe niemanden, der mir mit professionellen Techniken weiterhelfen konnte. Ich mußte mich also auf gewissenhafte Beobachtung, Versuche und auch Experimente, in erster Linie auf mich ganz alleine konzentrieren. Ich machte fast alle möglichen Fehler, zum Glück jeden nur einmal. Doch ich lernte dabei, was ich nicht machen durfte, und das half mir sehr schnell, den richtigen Weg zu finden.
TS: Das hört sich alles nach viel harter Arbeit an?
Caesar: Ja, das war es. Jedes Stückchen neuer Erfahrung auszuarbeiten, mag vielleicht wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber das Gute daran ist, dass du darauf aufbauen kannst. Letztendlich erlernt man das Tätowieren ja nicht durch die Augen anderer und deren Methoden, sondern durch seine eigene Arbeit und Erfahrung. Ein weiterer positiver Aspekt, wenn du auf dich alleine gestellt bist, ist, dass du deinen Arbeitsplatz, dein Umfeld und auch deine Arbeitsweisen so erstellst, wie es dir am besten zusagt. Das Dumme dabei – für deine Fehler kannst du niemanden verantwortlich machen.

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»Spätestens nach 5 – 6 Stunden
hassen sie mich, meine Kunden!«

TS: Aspekte – ein schönes Stichwort. Was ist für dich einer der wichtigsten Aspekte, um ein professioneller Tätowierer zu sein, und welche Art von Tattoos erfüllen dich am meisten?
Caesar: Nun, die wohl wichtigsten Aspekte sind, das zu tun, was du wirklich kannst. Und das hauptberuflich. Etwas auf jemandes Haut zu gestalten, das dann ein Leben lang hält und dabei sowohl den Träger als auch dich selbst glücklich macht, ist etwas Außergewöhnliches. Ich möchte eine fortwährend hohe Qualität produzieren, Fehler korrigieren und näher an Perfektion und meine Grenzen gelangen. Ich liebe große Motive, die erst durch mehrere Sitzungen zum Leben erwachen. Ich glaube aber, meine Kunden sind da nicht ganz meiner Meinung, denn spätestens nach 5 – 6 Stunden hassen sie mich. Warum, weiß ich gar nicht
🙂 Ich mag realistische Motive, Portraits, Pin-Ups, Wildtiere und so weiter. Aber auch Tribals und Biomechanik-Tattoos sowie alle Arten von Fantasy und nicht zeichenhafte Motive sind mir ans Herz gewachsen.
TS: Also mit Herz und Seele Tätowierer?
Caesar: Durch und durch. Dabei bin ich ein Sklave meiner ständigen Bemühungen, Gemälde zu reproduzieren. Ich liebe sie ganz einfach. Doch kundenspezifische Tattoos, also Cus­tom-Arbeiten, benötigen in erster Linie – Zeit. Was die wenigs­ten wissen, es braucht so viel Zeit eine Zeichnung zu entwickeln, oft mindestens ebenso viel Zeit wie das eigentliche Tätowieren eines Motives. Für mich persönlich ist dies eines der schwierigsten Dinge dieses Berufes überhaupt. Wie bei jeder Art von Kreation, kann dies leicht und angenehm sein, aber auch unangenehm und schmerzlich. Das Ganze dann anschließend auf die Haut zu bringen, ist für mich persönlich dann immer der schönere Teil.
TS: Und wie bist du Tätowierer geworden? Wer oder was hat dich zu diesem Beruf inspiriert?
Caesar: Das ist interessant, denn ich kann dir ganz genau den einen Moment nennen, an dem ich mich für das Tätowieren begeisterte. Es war, als ich mein erstes Tattoo gestochen bekam. Ich saß dort im Stuhl und beobachtete, wie sich die Farbe auf und unter meiner Haut verteilte. Dies war der Augenblick, in dem ich mich diesem Beruf verschrieb. Anfangs suchte ich nach Hilfe und Unterstützung, doch alles was ich zunächst bekam, war eine Eigen­baumaschine, das alte Netzgerät eines Tätowierers und ein paar Stunden Unterricht – das war’s. Die besten Informationen waren dabei noch die Adressen von ein paar Tattoo-Supplierern. Ich war fasziniert von den Arbeiten professioneller Tätowierer in den verschiedenen Magazinen. Ich verstand zunächst nicht, wie sie solche Dinge auf die Haut bringen konnten und ich nicht. Von Zeit zu Zeit gelangen mir die ersten geraden Linien und langsam, aber sicher, lernte ich immer mehr. Zu Beginn verbrachte ich noch nicht soviel Zeit in Tattoo-Studios wie andere Profis und betrachtete vieles als eine Art Hobby. Nebenbei arbeitete ich als Faßbier-Kontrolleur bei einer Brauerei, kannst du dir das vorstellen? Aber irgendwie hatte ich den Tattoo-Virus im Blut und er begann die Oberhand zu gewinnen. Letztendlich wurde das Tätowieren zu meiner großen Leidenschaft.
TS: Wenn nicht Tätowierer, was wäre wohl aus dir geworden?
Caesar: Ich glaube schon, dass ich mich in irgendeiner Weise mit Kunst beschäftigt hätte. Ich habe immer den Willen gehabt, mich zu verbessern und zu lernen. Wie Goethe sagte: ,Genie ist 99 % Schweiß und 1% Inspiration’. Als Tätowierer suchst du immerzu nach Formen und Farben, perfekter Komposition und Harmonie. Du kannst sie im Grunde nie erreichen, mußt aber einfach dein Bestes dafür geben. Ich bin der geworden, der ich immer sein wollte. Darum bin ich nach Amerika gegangen, um meine Träume zu verwirklichen. Ich wurde mit dem Ins­tinkt für Kunst geboren, doch unglücklicherweise vergeudete ich viele Jahre damit, ein normales Leben zu führen. Eine Zeitlang war ich damit auch oberflächlich erfolgreich, doch tief darunter sehr gelangweilt. Irgendwann hatte ich die Nase voll, ich kündigte meinen Job, sagte meiner Familie Lebewohl und verließ Ungarn mit einem Koffer voller Tattoo-Equipment. Ich würde es heute nicht anders machen wollen.

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»Der Kunde hat eben immer Recht!
Außer, wenn er es einmal nicht hat!«

TS: Wenn ich mir deine Arbeiten ansehe, glaube ich, dass viele davon mehr auf deinen als auf Kunden-Ideen beruhen. Wieviel Caesar ist in jedem deiner Arbeiten, und wieviel Einfluss nehmen deine Kunden?
Caesar: Ich sehe mich selbst als Custom-Tätowierer. Daher gestalte ich die meisten Motive für ganz spezifische Individuen. Das heißt, dass ich stets versuche, in jedes Tattoo ein klein wenig Kunden-Persönlichkeit zu integrieren. Ich steche keine Tätowierung ein zweites Mal, sondern nehme mir viel lieber die Zeit, ein neues Motiv zu kreieren. Das ist zwar zeitaufwendig, aber ich möchte es einfach nicht anders. Normalerweise haben Kunden eine grobe Vorstellung von dem, was sie wollen. Ich helfe lediglich bei der Ausarbeitung, füge Details hinzu und gebe ihnen Alternativen, wenn sie sich noch nicht so sicher sind. Robert Kovacs zum Beispiel trägt den Hexen­könig aus dem Herrn der Ringe. Er war sehr störrisch, was die Komposition anging und eine Zeitlang habe ich versucht, mich gegen die Stadtansicht von Minas Tirith zu wehren – erfolglos wie man sieht. Die Stadt reicht in voller Höhe und Breite von seinem Ellenbogen bis hin zu seinen Achseln. Der Kunde hat eben immer Recht, außer, wenn er es nicht hat 🙂

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»Sergeys Tips folgend, merkte ich,
wie die Tattoos immer besser wurden!«

TS: So wie bei der HdR-Szene scheinst du dich generell zu epischen Arbeiten hingezogen zu fühlen. Gibt es Vorbilder aus der Kunst- bzw. Tattoo-Szene, die dich am meisten inspirieren?
Caesar: Es wäre wirklich schwer, jeden zu nennen, der mich beeinflußt hat oder der mich inspiriert. Ich mag Bild-Reproduktionen, wie ich bereits zuvor erwähnte. Ich kann dabei so viel lernen, da ich mich mit der Arbeit eines erfahrenen Künstlers beschäftige, direkt mit den technischen Tricks befasse und indirekt auch seine Denkweise betrachte. Ich habe einige Boris Vallejo-Tattoos gestochen, wie den Vampir-Kuss und das Motiv seiner Frau Julie Bell (der goldene Drache). Sie gehören zu meinen Lieblings-Tattoos. Nicht zu vergessen natürlich Frank Frazetta und seine berühmten Bilder, H.R. Giger, Savador Dali und so weiter. Die Reichweite ist ziemlich groß. Dabei möchte ich auf jeden Fall erwähnen, dass ich vor 2-3 Jahren die Arbeiten von Tätowierer ­Sergey Bardadim in einem Magazin entdeckte und sofort fasziniert von ihnen war. Ich war so beeindruckt, dass ich ihm ein paar meiner Tattoos mailte und ihn um seine professionelle Meinung bat. Er antwortete mit sehr hilfreichen Vorschlägen. Seinen Tips folgend, merkte ich sofort, wie meine Arbeiten besser und besser wurden. An dieser Stelle möchte ich ihm sehr für seine aufrichtige Kritik danken. Ein weiteres Dankeschön geht an Nick Wilcox, an dem ich zum ersten Mal die Mags ausprobieren durfte und der mir die korrekte Arbeitsweise vermittelte. Nicht zu vergessen natürlich meine ersten Kunden, die mich haben lernen lassen
TS: Wo siehst du dich selbst in der Zukunft und wo können sich die Leute weiter über deine Tattoos und deine Flash-Motive informieren?
Caesar: Ich bin natürlich kein Wahrsager, aber ich werde im Frühling, zusammen mit einem Freund, einen neuen Shop in Manhattan eröffnen. Die Details stehen noch nicht alle fest, also besucht meine Webseite unter www.­caesartattoo.com oder schreibt mir eine Mail (caesar@caesartattoo.com). Die Leute können meine neuen Tattoos natürlich auch bei MySpace und Inked Nation sehen (www.­myspace.com/caesartattoo – www.inkednation.com/caesartattoo). Vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen, möchte ich irgendwann jedes Bild, das mir persönlich gefällt, auf die Haut bringen. Aber das ist natürlich eine extrem schwere Sache. Meine Arbeit ist ein nie enden wollender Werdegang. Ich höre nie auf zu lernen und mich zu verbessern und genau das ist es, was ich an diesem Beruf so sehr liebe.

Caesar Tattoo
www.­myspace.com/caesartattoo
www.inkednation.com/caesartattoo
www.caesartattoo.com

 

 

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