Tätowierer Diamond Jim – Köln

By on 14. Januar 2017

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Traditionen auf der Haut

»Old Style Tattoo«, der Name allein lässt bereits erahnen, dass es sich bei diesem Studio um eines handelt, das tief verwurzelt ist mit den traditionellen Werten der Tätowierkunst. Aber Namen sind oftmals nicht mehr als Schall und Rauch und können einen leicht auf die falsche Fährte locken.

Das ist halt alles wie immer eine Frage der Interpretation, deren Spielraum man sich besonders in der Politik gerne bedient. Mit »Old Style« verbinde ich z.B., dass man sich der alten Lehre verschrieben hat und dementsprechend die traditionelle Machart einer Tätowierung bevorzugt, ungeachtet dessen, welchem Kulturkreis sie entsprungen ist. „Old Style“ wird aber auch oft mit »Old School« in einen Topf geworfen, was den Nagel ja auch irgendwie auf den Kopf trifft, nur eben nicht den ganzen Kopf. Im schlimmsten Fall könnte es aber auch bedeuten: „Verdammt, früher ward ihr doch auch mit weniger zufrieden, dann seid es gefälligst auch heute. Ich kann’s halt nicht besser!“ Das hat dann allerdings weniger mit der klassischen Tätowierung, die gut ausgeführt schon immer die entsprechende Wirkung erzielte, als vielmehr mit dem Unvermögen des entsprechenden Tätowierers zu tun. Doch recht hat er trotzdem irgendwo. In den 70ern und 80ern waren z.B. Kreuze auf Hügeln, Herzen und nautische Sterne in „Krickelkrackelmanier“ mit selbst gebastelten Maschinen hergestellt, durchaus in Mode. Professionelle Studios gab es damals nun mal nicht an jeder Ecke, nicht einmal in jeder größeren Stadt. Ich kann deshalb auch gut nachvollziehen, dass man diese „Werke“ oftmals nicht covern lassen möchte und sie auch weiterhin mit Stolz trägt, sind sie doch Teil der eigenen Lebens­geschichte. Nur sind die Möglichkeiten, die man heute hat, ganz andere. Aber wie bereits gesagt: Das ist alles eine Sache der Interpretation.

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Die Arbeiten von Diamond Jim aus Köln sind
Tätowierungen im traditionellen Stil von höchster Qualität

Die Arbeiten von „Diamond Jim“ benötigen in dieser Hinsicht allerdings keinerlei Spielraum. Sie sind, was sie sind: Tätowierungen im traditionellen Stil von höchster Qualität, die er selbst so erklärt: „Meine Philosophie ist traditionell. Das heißt aber nicht, dass es sich dabei automatisch um ,Old School’ oder ,American Traditional’ handeln muss. Traditionell bedeutet auch japanisch, wobei ich aber nicht die modernere, europäische Art meine, sondern die klassische. Oder auch tribale Sachen, wie sie z.B. die Polynesier tragen. Es gibt viele Tätowierer, die heute nicht mehr so arbeiten wollen. Aber es gibt gute Gründe dafür, warum Tätowierungen schon immer so gemacht wurden: Weil es funktioniert und auch auf Dauer gut aussieht.“ Als ich ihn in seinem Kölner Studio, das nun mittlerweile seit ziemlich genau drei Jahren besteht, besuche, treffe ich auf einen äußerst freundlichen Menschen, der mit sich und der Welt mehr als zufrieden zu sein scheint. Er fühlt sich rundum wohl in Köln und hat in dieser Stadt, die ihn mit den vielen Kirchen ein wenig an zu Hause erinnert, eine neue Heimat gefunden. Auf meine Frage, was ihn denn überhaupt nach Köln verschlagen hätte, stellt sich heraus, dass dies eher ein Zufall war.

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South Carolina ist ein sehr christlicher Staat, in dem Ende der 60er Jahre das Tätowieren gänzlich verboten wurde!

Die ungewöhnliche Geschichte seines Werdegangs, die sich dahinter verbirgt, ist so interessant, dass sie geradezu danach schreit, erzählt zu werden: Aufgewachsen in Charleston, South Carolina, war nämlich nicht gerade abzusehen, dass aus Jim mal ein Tätowierer werden würde. South Carolina ist ein sehr christlicher Bundesstaat, in dem bereits Ende der 60er Jahre das Tätowieren gänzlich verboten wurde. Wie schon zu Zeiten der Prohibition, ließ sich dadurch aber nicht verhindern, dass dies im Verborgenen und somit in der Regel unter schlechtesten Bedingungen, dennoch geschah. So kam er Anfang der 80er durch die Punkszene auch zu seinen ersten handgestochenen Tattoos. Doch das war Jim nicht genug, er wollte eine anständige, professionelle Tätowierung, wofür er sich in den benachbarten Bundesstaat ­Georgia begeben musste. „Danach bekam ich dieses Fieber. Ich wollte immer mehr Bilder haben, und mit der Zeit wurde mir klar, dass dieser Beruf auch genau das Richtige für mich wäre.“ In South Carolina war das natürlich schlecht möglich, weshalb Jim seine Heimatstadt verließ und auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz nach Florida umzog. Dort dauerte es dann noch insgesamt zwei Jahre, bis er einen geeigneten Lehrmeister fand.
„Einige Tätowierer boten mir zwar an, mich für 10.000 Dollar oder so ähnlich auszubilden, aber ich dachte mir, wenn er nur Geld von mir haben will, kann es nicht der Richtige für mich sein. Also suchte ich weiter.“ Nun war damals allerdings auch eine andere Zeit. Die meisten Tätowierer waren Biker, die ihr Wissen nicht einfach so weitergaben und auch nicht sonderlich begeistert waren, wenn man überhaupt danach fragte. Trotzdem erinnert er sich gerne an die „gute alte Zeit“ zurück. „Damals hatte man noch viel mehr Respekt vor Tätowierern. Man ging in den Laden, zeigte auf das, was man haben wollte und bekam es. Große Diskussionen gab es da nicht.“ Das war es aber nicht, was für Jim den Reiz ausmachte, sondern vielmehr dieses gewisse Verruchte, das Tätowierten damals noch anhaftete. „Ich kann mich noch erinnern, wie man früher angeschaut wurde, wenn man die Unterarme tätowiert hatte. Heutzutage ist das ja normal, aber früher hatten das nur Seeleute, Biker, Kriminelle oder eben Tätowierer. Entweder war man also selber Tätowierer oder man war gefährlich. Nur waren damals auch viele Tätowierer gefährlich. So, wie es heute ist, gefällt es mir aber doch besser.“ Letztendlich war der Ausbilder, den er für sich fand, dann auch ein Biker. Den Job bei ihm bekam er, weil Jim besser zeichnen konnte als er und von da an die Vorlagen für seine Tätowierungen entwerfen sollte. Im Gegenzug brachte er ihm das Tätowieren bei.

Ein längerer Aufenthalt war nicht
geplant, als er vor ca. acht Jahren in Bremen unterwegs war.

Dass es ihn später nach Deutschland zog, muss wohl irgend etwas mit Schicksal zu tun gehabt haben. Ein längerer Aufenthalt war jedenfalls nicht geplant, als er vor ca. acht Jahren als Gasttätowierer in Bremen unterwegs war. Doch wie der Zufall es so wollte, lernte er bereits in der zweiten Woche nach seiner Ankunft seine heutige Frau Birgit kennen. Ein Job in Deutschland, bei „Endless Pain“ (Hamburg), war recht schnell gefunden und so landete Jim kurze Zeit später endgültig in „Good Old Germany“. Dass er sich letztendlich in seiner heutigen Heimatstadt Köln niederließ, hat unter anderem mit der engen Freundschaft zu Frank, dem Besitzer von »Endless Pain« zu tun. »Ich habe ihm wirklich viel zu verdanken und wir sind sehr gute Freunde geworden. Deshalb wäre ich nie auf die Idee gekommen, ihm in seiner Umgebung Konkurrenz zu machen.« Also schaute er sich nach einer anderen Stadt um. Und dabei hat ihm Köln offensichtlich am besten gefallen.
Seine Kunden sollen sich wohlfühlen und sich nicht abgefertigt vorkommen

Sein Studio erweckt bei mir dabei den Eindruck einer ruhigen Oase, die er sich nach den aufregenden letzten Jahren erschaffen hat. Keine Hektik, kein Stress. Seine Kunden sollen sich wohlfühlen und sich nicht abgefertigt vorkommen, weshalb er auch lediglich zwei Termine pro Tag annimmt. Genug Zeit für jeden Einzelnen zu haben, ist ihm sehr wichtig. Man weiß ja nie, ob noch etwas abgeändert werden soll. Und für ein Schwätzchen zwischendurch bleibt so auch genügend Zeit. Zu der Qualität seiner Arbeiten braucht man nicht viel zu schreiben, dass sie allesamt erstklassig sind, sieht man auf diesen Seiten. Wenn er nicht von vornherein der Überzeugung wäre, dem Kunden das Bestmög­liche bieten zu können, würde er die Arbeit allerdings auch gar nicht erst annehmen und lieber auf einen Kollegen verweisen. „Düstere Horror-Motive sagen mir z.B. gar nicht zu. Das habe ich in den ganzen Jahren vielleicht insgesamt zweimal gemacht und überhaupt keine Übung darin. Das macht mir aber auch keinen Spaß. Da schicke ich die Leute doch lieber zu einem Tätowierer, von dem ich weiß, dass er es gut kann und mit Freude macht.“ Dieser verantwortungs- und respektvolle Umgang mit seinen Kunden zeichnet „Diamond Jim“ unter anderem besonders aus. So ist ihm auch jeder Kunde gleich wichtig, egal wie groß oder klein das Tattoo werden soll: »Wer bin ich denn, zu beurteilen, ob z.B. ein chinesisches Schriftzeichnen weniger wichtig ist, als ein großes Rückentattoo. So etwas zu beurteilen, ist meiner Meinung nach der größte Fehler, den man machen kann. Dem Träger wird dieses Zeichen schon sehr wichtig sein und darauf kommt es schließlich an. Viele Tätowierer sind aber so hochnäsig, dass sie dabei ganz vergessen, dass genau das ihr Job ist: Tattoos zu machen und egal, um was es sich dabei handelt, immer ihr Bestes zu geben.«
1:1-Kopien aus einer Zeitschrift sind dem Kunden gegenüber einfach unfair!

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Tätowieren ist zum Teil eben auch eine Dienstleistung, aber nur zum Teil, wie Jim betont. Denn dies darf auch nicht soweit gehen, dass man eine Sache macht, von der man weiß, dass sie nicht richtig ist, nur weil der Kunde es genauso haben möchte.
Das ist z.B. dann der Fall, wenn er merkt, dass die Tätowierung auf Dauer oder generell, so wie sie gewünscht wird, nicht wirken kann. Oder auch, wenn jemand eine 1:1-Kopie aus einer Zeitschrift haben möchte, was einfach nur unfair wäre. In solchen Fällen ist eine ausführliche Beratung gefragt. »Das sind Sachen, die der Kunde oft nicht beurteilen kann, und dann ist es die Aufgabe des Tätowierers, dies in die richtigen Bahnen zu lenken. Schließlich sind wir auch Künstler genug, um aus den Vorstellungen des Kunden etwas zu entwerfen, das genau diesen Vorstellungen entspricht.« In dieser Hinsicht braucht man sich bei „Diamond Jim“ aber sicherlich keine Sorgen zu machen. Bei ihm ist man zweifelsohne bestens aufgehoben und die angenehme Atmosphäre im Studio tut ihr übriges dazu. Einmal im Jahr, immer wenn sein Studio Geburtstag feiert, lässt er sich für Kunden und Freunde zudem noch etwas Besonderes einfallen. Letztes Mal gab es eine ganze Woche lang »Old School Tattoos« zum »Old School Preis«. Dabei konnte sich jeder, der wollte, ohne Termin ein Motiv von „Sailor Jerry“ zu dem Preis, den es damals gekostet hätte, stechen lassen. Eine tolle Idee und gleichzeitig eine schöne Erinnerung an alte Zeiten, zu denen aus­schließlich nach Vorlagen gearbeitet wurde. Die Leute hat es gefreut, und Jim musste in der Woche gleich 45 Tätowierungen zaubern. Man muss aber nicht unbedingt bis zum nächsten Geburtstag warten. Ein Besuch im »Old Style Tattoo« lohnt sich eigentlich immer.

Old Style Tattoo
Lupusstrasse 45
50670 Köln
Tel: 0221-2005955

 

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