Auf fremdem Arsch ist gut durchs Feuer reiten

By on 16. Mai 2014
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Es gibt Dinge im Leben, die können nicht groß genug sein. Die männlichen Leser unter euch würden wohl Bankkonto, Hubraum und sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale nennen. Die Frauen unter euch würden wahrscheinlich sagen; Kleiderschrank, Handtasche und primäre männliche Geschlechtsmerkmale.

Bei anderen Dingen ist es gar nicht so gut, wenn sie zu groß sind. Zum Beispiel Loch im Zahn, Steuerschulden, primäre weibliche oder sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale. Und wie sieht es mit Tattoos aus, wozu gehören die? Mit Sicherheit zu den Dingen im Leben, die eigentlich nicht groß genug sein können, oder?
Während sich noch vor ein paar Jahren das durchschnittliche Einsteigertattoo auf nicht mehr als ein paar Quadratzentimetern abspielte, werden für die heutigen Erstwerke gleich komplette Körperpartien eingeplant. Aus Tätowierern sind Designer geworden. Riesige Körpermotive werden geplant und realisiert und aus Kunden werden wahre Kunstwerke. Dabei sind Tätowierungen in ihrer Entstehung immer noch mit Schmerzen verbunden. „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer“ heißt es in einem alten Sprichwort und sagt dabei aus, das negativ behaftete Ereignisse normalerweise dafür sorge tragen, dass der Protagonist sie zukünftig meidet. Bei Tätowierungen ist das anscheinend völlig anders. Die meisten Körperkunstliebhaber lassen sich immer und immer wieder tätowieren. „Gebranntes Kind hat knusprige Finger“ könnte man also bei Tattoo-Fans sagen. Dabei sind die überglücklichen Empfindungen, die das fertige Tattoo auslösen, verantwortlich für die vielen Wiederholungstäter, die dann immer mehrTattoos wollen.
Tja und das Wollen ist ja auch so ein Thema. Wenn ich meine Frau frage, was sie alles in den Eintopf getan hat, dann antwortet sie: „Das willst du gar nicht wissen“. „Sie wollen zahlen?“ fragt der Kellner nach der überteuerten Henkersmahlzeit in der 1 1/2 Sterne Pizzeria. Unbedienbare Elektronikgeräte fragen ständig „Anscheinend wollten Sie…?“ oder „Wollen Sie nicht lieber…?“ Verbale Kombattanten erklären mir unentwegt, was ich eigentlich wollen will. Ich will aber das dürfen wollen, was ich will und nicht das wollen müssen was andere meinen, dass ich es wollen sollte.
Mit dem freien Willen ist das aber immer so eine Sache. Wenn meine Frau mich zum Beispiel nach einer ehrlichen Meinung zu ihrem neuen Kleid fragt, oder das Finanzamt mich bittet doch endlich meine Kraftfahrzeugsteuer zu entrichten – Leute, dann haben meine Antworten und Handlungen nicht wirklich etwas mit freiem Willen zu tun. Tätowierungen hingegen sind hier eine der wirklichen, letzten Bastionen des freien Willens. In dem Moment, kurz bevor der Tätowierer mit seiner Arbeit beginnt, entscheiden wir ganz alleine, wie sehr wir dieses Tattoo wollen.
In diesem Augenblick sieht man, aus welchem Holz wir geschnitzt sind – Eiche oder Spanplatte, Mann oder Milchbrötchen. Hier zeigt sich wo der Frosch die Locken hat. „Auf fremdem Arsch ist gut durchs Feuer reiten“ (- Martin Luther, 1540) geht bei Tattoos nicht, da muss jeder selber durch, doch zur Belohnung gibt’s nicht nur ein Motiv für die Ewigkeit, sondern auch noch eine große Portion Stolz über den eigenen Mut und die Entschlossenheit auf dem Weg zum neuen Tattoo.

 

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