Tony Ciavarro – USA

By on 21. Oktober 2016

Der amerikanische Tätowierer Tony Ciavarro gehört zweifelsohne zu den momentan begehr­testen Tattoo-Literaten in Deutschland. Seine Vorlagen-Bücher verkaufen sich wie geschnittenes Brot und sein Motivstil ist überall beliebt und gefragt. Dass dieser Mann aber genauso gut tätowiert wie er zeichnet, setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Wir haben ein wenig mit Tony geplaudert.

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TS: Ich habe gelesen, dass du lange vor deiner Tattoo-Laufbahn schon für die Tattoo-Szene gearbeitet hast und zwar als Vorlagen-Zeichner. Oder wie wir beim Spirit es nennen, als Tattoograph ©. Und plötzlich arbeitetest du nicht mehr für die Profis, sondern wurdest selbst einer?
Tony: So ähnlich hatte es sich zugetragen, ja. Anfangs war ich in erster Linie wegen der Kunst so an der
Tattoo-Szene interessiert. Ich zeichne schon so lange ich denken kann, womit es mir nicht viel anders geht, als vielen anderen Tätowierern weltweit. Nachdem ich die ersten Kontakte in der Szene geknüpft hatte, wurde mir doch ziemlich schnell klar: Das will ich auch machen!

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TS: Und das Zeichnen lag dir dabei im Blut?
Tony: Ganz genau. Schon als kleiner Junge saß ich zu Hause bei meinen Eltern auf der Couch und zeichnete, was das Zeug hielt. Dabei benutzte ich selten irgendwelche Vorlagen, sondern malte vielmehr alles aus meiner Erinnerung. So konnte ich meine eigenen Ideen einbringen und mich sehr schnell entwickeln. Später dann, nach einigen Jahren, zeichnete ich immer öfter Tattoo-Vorlagen für einige meiner Freunde. Mit diesen Vorlagen gingen wir dann ins Tattoostudio. Der Tätowierer erklärte mir, wie man eine Vorlage richtig aufbaut und wie man komplette Sheets, also Vorlagenseiten mit mehreren Motiven, anfertigt.
TS: Was viele Tätowierer und natürlich auch Kunden an deinen Motiven mögen, sind die knalligen Farben und die sehr fröhlichen und teilweise lustigen Aussagen der Tattoos. Sind diese Motive das Ergebnis von Kundenwünschen oder vielmehr alles echte Ciavarros?
Tony: Nein, die sind alle authentisch und alle von mir. Klar, gehe ich intensiv auf die Wünsche meiner Kunden ein, doch die meisten lassen mir fast sämtliche Freiheiten. Ich liebe es klassische Motive aufzugreifen, sie ein wenig zu verdrehen, neu zu interpretieren und sie knallig bunt und vor allem lustig auf die Haut der Kunden oder eben für meiner Bücher zu Papier zu bringen. Wenn ich etwas zeichne, denke ich immer daran, ob es tätowierbar ist und wieviel Spaß es wohl machen wird, das Motiv zu stechen.
TS: Hast du eine klassische Ausbildung machen können?
Tony: Ja, ich habe bei Green Man Tattoo unter Jerry Issel alle meine Grundkenntnisse erworben. Aber natürlich endete das Lernen nicht mit dem Abschluss meiner Tattooausbildung. Ich habe zum Beispiel unglaublich viel von meinem Kollegen Joe Capobianco gelernt, während er mich tätowierte. Er war so freundlich, mir jede meiner Fragen ausführlich zu beantworten und das hat mich echt weitergebracht.

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TS: Hört sich nach einem Künstler an, zu dem du aufblickst. Gibt es da noch andere?
Tony: Jimy Litwalk, Eric Merrill, Cory Kruger und Mike Cole zum Beispiel. Aber da gibt es noch so viele andere, wie zum Beispiel Bob Tyrell. Ich liebe seine Realistik-Arbeiten, sie sind einfach fantastisch.
TS: Bei all den Vorbildern, die du hast, kannst du dir vorstellen, für wie viele Täto­wierer du selbst ein Vorbild bist?
Tony: Das ist, ehrlich gesagt, manchmal echt schwer nachzuvollziehen. Ich habe ja nun schon einige Male gehört, dass meine Vorlagen vor allem in Europa zur Zeit sehr gefragt sind. Ich bekomme auch viel Feedback, bei dem die Leute mir oft schreiben, dass ich sie sehr inspiriere. Das ist für mich absolut erstaunlich und einfach großartig zugleich. Ich mache doch eigentlich nur dass, was mir selbst Spaß macht. Wenn dir Kunden oder andere Tätowierer dann erzählen, wie sehr sie meine Arbeiten mögen, ist das für mich schon fast ein wenig peinlich, aber andererseits ist es eine ganz tolle Bestätigung für mich.
TS: Deine Arbeiten sind alles Custom-Tattoos, also individuelle Einzelanfertigungen. Arbeitest du so am liebsten?
Tony: Auf jeden Fall. Tattoos von der Stange sind nicht mein Ding. Es kommen zwar immer wieder Leute mit Vorlagen aus meinen Büchern und wollen ein bestimmtes Motiv eins zu eins umgesetzt haben, doch ich diskutiere dann mit den Kunden verschiedene Ideen, Abwandlungen und Interpretationen. In fast allen Fällen kommt etwas ganz anderes dabei raus und der Kunde ist mit seinem »eigenen« Tattoo um ein Vielfaches glücklicher.

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TS: Wie denkst du über die aktuelle Tattoo-Szene?
Tony: Ich bin sehr glücklich und vor allem dankbar für die Möglichkeiten, die mir die Tattoo-Szene geboten hat. Ich wache jeden Morgen auf und gehe sehr gerne zur Arbeit. Nicht viele Menschen können das von sich behaupten, oder? Im Grunde genommen werde ich dafür bezahlt, Spaß zu haben – was für ein Leben…

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