Roman Abrego

By on 21. Oktober 2016

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Es gibt immer wieder Tätowierer, die mit ihrem ganz persönlichen Style für Aufsehen sorgen, die viele andere Kollegen inspirieren und der Tattoo-Szene immer wieder neue Wege aufzeigen. Solch ein Tätowierer ist auch Roman aus dem Studio Artistic Element. Wir haben uns mit Roman unterhalten:

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TS: Die Tattoo-Fans in Europa kennen dich in erster Linie wegen deiner außergewöhnlichen Biomechanik-Tattoos. Aber viele deiner aktuellen Arbeiten scheinen in eine andere Stilrichtung zu gehen. Du beschäftigst dich neuerdings immer mehr mit anderen Motiven wie religiöse Szenen, oder traditionellen Oldschool-Tattoos. Hast du deinen persönlichen Stil geändert oder hast du schon immer unterschiedliche Stilrichtungen tätowiert, aber nicht jeder hat dies auch wirklich bemerkt?
Roman: Ich liebe Biomechanik-Tattoos und natürlich auch Farbportraits, aber wenn ich dieselben Motive immer und immer wieder tätowieren muss, dann wird’s natürlich irgendwann langweilig. Ich möchte daher immer eine große Vielfalt unterschiedlichster Tattoos anfertigen. Traditionelle Tätowierungen mag ich sehr, in erster Linie auf Grund einiger Profis, mit denen ich zusammenarbeite. Ich denke viel über andere Stilrichtungen nach und war schon immer offen für alles Neue, aber ich habe eben nie dazu geneigt, dies immer auch zu zeigen. Im Grunde möchte ich einfach das produzieren, was ich mag und dabei ein Tätowierer mit breitgefächertem Repertoire sein.

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TS: Die Farbe Lila scheint dabei dein absoluter Favorit zu sein. Mir wurde gesagt, dass Lila eine hervorragende Möglichkeit bietet, für Tiefe in Color-Tattoos zu sorgen. Ich habe aber kaum einen anderen Künstler gesehen, der soviel Lila benutzt und dabei so klare und realistische Resultate erzielt. Für dich persönlich: Was ist so faszinierend an dieser Farbe?
Roman: Yeah, ich liebe die Farbe Lila wirklich. Dabei gibt es eine Farbe, die ich nahezu immer und überall benutze und das ist Wild Orchid von Eternal Ink. Normalerweise benutze ich sie als meine mittlere Startfarbe und dippe sie dann permanent; egal, welche Farbe ich auch immer anschlie­ßend verwende. Eternal Ink macht meiner Meinung nach wirklich tolle Farben und das konzentrierte Lila ist einfach bemerkenswert.
TS: Je länger man sich deine Tattoos ansieht, desto mehr verstärkt sich der Eindruck eines sehr persönlichen und individuellen Tattoostils. Die meisten deiner Arbeiten haben diesen „Schimmereffekt”, fast so, als seien die Motive mit glänzendem Kunststoff überzogen oder aus Metall oder sogar flüssig. Woher kommt dieser Style, hast du hierfür Vorbilder?
Roman: Zunächst einmal baue ich meine Tattoos immer nach einem Schema auf. Mit Schwarz versuche ich natürlich soviel Tiefe zu erzeugen wie möglich, wobei ich immer von dunklen zu hellen Farben arbeite. Sofort, wenn das Tattoo fertig ist, mache ich auch gleich ein paar Fotos. Der Schlüssel zum Erfolg solcher „frischen” Tattoos ist es, so zu tätowieren, dass es auch in fünf Jahren noch frisch aussieht. Wobei ich jetzt auch nicht alles verraten möchte. Tätowierer Nikko Hurtado kann diese Frische wirklich sehr gut umsetzen. Seine Motive sehen immer frisch aus und er ist einer der Künstler, zu denen ich aufblicke.

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TS: Keine Schwarz-Grau-Tattoos? Es scheint so, als würdest du kaum einfarbige Motive stechen.
Roman: Ich mache schon einiges in Schwarz-Grau. Doch es stimmt schon, ich liebe farbige Motive viel mehr, sie sprechen dabei mein Auge mehr an. Aber ab und zu mag ich der Abwechslung zur Liebe auch schwarz-graue Biomechanik. Dabei erstelle ich dann oft einen kompletten Arm, oder auch mal einen ganzen Rücken in einem einzigen Tag. Einfarbige Motive gehen bei mir um ein Vielfaches schneller. Und somit sind schwarz-graue Tätowierungen bei mir immer wieder gern gesehen.
TS: Einige Tätowierer arbeiten lieber alleine, für andere hingegen ist die Arbeit in einem Team wesentlich angenehmer. Du hattest dich vor langer Zeit dazu entschlossen, zusammen mit anderen groß­artigen Tattoo-Künstlern in einem Team zu arbeiten. Was waren die Hauptgründe hierfür?
Roman: Als ich früher noch alleine arbeitete, war es zwar auch recht cool, aber als ich begann, als Gast in unterschiedlichen Shops zu arbeiten, erkannte ich, wie schnell ich meinen Horizont erweitern konnte und wie viele verschiedene Techniken und Einflüsse ich von den unterschiedlichen Tätowierern lernen konnte. Ich durfte mit Künstlern wie Mike ­Cole und Carson Hill arbeiten. Sie waren für mich die besten Tätowierer, von denen ich soviel lernen konnte. Jetzt habe ich meinen eigenen Laden und arbeite zusammen mit meinen Kollegen, die gleichzeitig auch meine Freunde sind. Wir alle helfen und unterstützen uns gegenseitig, um in den verschiedenen Bereichen dieses Berufes immer besser zu werden. Je stärker das Team, desto stärker ist auch der Künstler.
TS: Klare und kräftige ­Designs mit weichen Verläufen und einem beeindruckenden Farb­reichtum. Und während du mit deinen Biomechanik- oder Horror-Tattoos echt Vollgas gibst, versuchst du, zu viele Licht- und Farbeffekte bei deinen Portraits und traditionellen Arbeiten weitestgehend zu vermeiden. Starke Kontraste!

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Roman: Nun, ich folge dabei im Grunde nur meinem eigenen Style, auch wenn es natürlich viele Tätowierer gibt, die ähnlich arbeiten. Ich versuche mich aber generell abzugrenzen. Farben benutze ich grundsätzlich nie direkt aus der Flasche, sondern mische sie nach meinen ganz persönlichen Vorlieben. So ist für andere nicht ersichtlich, welche Farben ich eigentlich benutze, geschweige denn, welche Kombinationen. Selbstverständlich mischen sich viele Tätowierer ihre ganz persönlichen Farben, das ist nun mal der Weg, wie viele Profis heute arbeiten. Aber wie der Weg auch immer aussehen mag und wie sehr sich Techniken oder Farben oder Equipment auch verändern mögen, letztendlich ist es doch das Endergebnis, das fertige Tattoo, auf das es wirklich ankommt,oder?
TS: Da stimme ich dir natürlich zu. Wo wir gerade bei Veränderungen sind – wie hat die Körperkunst und die Arbeit als professioneller Tätowierer denn dein Leben verändert?
Roman: Das Tätowieren hat mein Leben in soweit verändert, dass ich jetzt nicht mehr als Bauarbeiter meinen Lebensunterhalt verdienen muss. Nein, im Ernst, ich liebe das Tätowieren, auch wenn ich den Alltag dieser Arbeit nicht unbedingt als Beruf ansehe, sondern vielmehr als „Fun-­Time”. Doch neben dem Spaß versuche ich der Beste zu sein, bei allem was ich mache und das verlangt viel Arbeit und Übung, Übung, Übung. Das Tätowieren erspart mir auch jede Menge Ärger, denn wenn ich nicht tätowieren würde, käme ich mit Sicherheit regelmäßig in irgendwelche Kneipenschlägereien und würde dauernd verhaftet werden (haha).

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TS: Von sehr kleinen Motiven bis zu kompletten Rückentattoos, bietest du jede nur erdenkliche Grösse an. Welche Motivgrössen machen dir persönlich am meisten Spass?
Roman: Klar machen kleine Motive richtig Spass, vor allem, wenn sie fertig sind und man sieht wie cool sie wirken. Doch bei einer richtig grossen Arbeit kann man natürlich viel mehr einbauen und grosse Motive wirken daher natürlich viel mehr. Ich mag also grosse Tattoos eigentlich lieber.
TS: Der Beruf des Tätowierers ist nur schwer vergleichbar mit anderen Berufen, da es sich hierbei eher um eine Berufung, eine Leidenschaft handelt. Verzicht und jahrelange harte Arbeit gehören ebenso dazu, wie wundervolle aber auch sehr schwierige Momente. Was waen bei dir die schönsten und schwierigsten Augenblicke?
Roman: Das Schwierigste war auf jeden Fall einen eigenen Shop zu eröffnen, ohne wirklich zu wissen, ob sich dieser auch rechnen wird. Ich steckte damals alles, was ich hatte in den Laden und irgendwie hatte es etwas von einem Glücksspiel. Das beste, was mir bisher passiert ist, war, dass der Shop überaus erfolgreich wurde. Dies ermöglichte mir dann auch so wundervolle Dinge, wie meine kleine Tochter Shylee, Reese, Abrego. Sie ist zusammen mit meiner Freundin das Beste, das mir je passieren konnte. Durch sie sehe ich das Leben mit anderen Augen und sie sind alles für mich.

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TS: Mal ein paar kurze Fragen. Nenne eine Person, die deiner Meinung nach sehr wichtig für die Tattoo-Szene war oder ist.
Roman: Natürlich Guy Aitchison und Nick Baxter, dessen Arbeiten ich wirklich sehr schätze. Doch sind die vielen unbekannten Namen sehr wichtig für die Tattoo-Szene, die jungen Tätowierer, von denen noch nie jemand gehört hat. Aber diese Künstler sind hungrig und man sollte ihre Entwicklung aufmerksam beobachten.
TS: Wenn nicht Tätowierer, dann wärst du heute wahrscheinlich…?
Roman: Cage-Fighter (haha)
TS: Einen guten Ratschlag für neue Tattoo-Fans in einem Satz?

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Roman: Kunden sollten sich immer die Portfolios der Tätowierer gründlich durchsehen. Wenn er sich für einen Tätowierer entschieden hat, sollte er auch bei diesem einen Termin geben lassen, egal wie lang auch die Wartezeiten sein mögen. Die besten Arbeiten benötigen Zeit und man sollte den Tätowierer nicht hetzen, denn Kunst lässt sich nunmal nicht erzwingen.
TS: Ok, das waren zwar drei Sätze, aber auch gut. Roman, ich danke dir ganz herzlich, dass du dir für mich und unsere Leser die Zeit genommen hast. Eine allerletzte Frage noch: Gibt es schon Pläne für einen Reise durch Europa? Viele Tattoo-Fans hier würden sich bestimmt sehr über einen Besuch von dir freuen.
Roman: Ich möchte sehr gerne nach Europa, aber momentan … mit einem Neugeborenen … Es ist sehr schwer, meine Freundin zu überreden, mich eine Millionen Meilen ziehen zu lassen. Aber schon bald werde ich meine Familie mit auf Reisen nehmen können und wir werden Spaß haben, während wir die ganze Welt tätowieren – natürlich auch Europa.

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