Lenu Tattoo Alien – Polen

By on 21. Oktober 2016

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Auf der diesjährigen Frankfurter Tattoo-Convention habe ich ihn persönlich kennengelernt. Seine Arbeiten hatten es mir schon viel länger angetan. Die Rede ist vonAndrzej Lenczuk, besser bekannt als Lenu oder auch Tattooalien.

In der Szene schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr, beschäftigt sich Lenu mit einer Stilrichtung, die immer mehr leidenschaftliche Anhänger findet – Dark Art.
Dabei scheinen seine Arbeiten eine ganz spezielle Ausdruckskraft zu besitzen, den Betrachter nahezu magisch in seinen Bann zu ziehen. Seine Tattoos scheinen zu fließen, sich auf der Haut zu bewegen und sich perfekt anzupassen. Die meisten Tattoo-Fans, die der Stilrichtung Dark Art verfallen sind, nutzen Horror-Motive, um sich ihren inneren Dämonen und Ängsten zu stellen und sie letztendlich zu überwinden. Lenu setzt diese dunklen Bilder eindrucksvoll um und schafft den meist schwierigen Spagat zwischen festem Kundenwunsch und eigener Kreativität. „Es ist immer ein Prozeß. Man muß die Wünsche des Kunden res­pektieren, selbst dann, wenn man selbst das Motiv am liebsten ganz anders gestalten wollte. Das ist nicht immer einfach, aber nunmal mein Job“, erzählt Lenu.

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Aufgewachsen in Walbrzych, einer kleinen Stadt im Südwesten Polens, war Lenu schon in der Kindheit mit Zeichnungen und der Umsetzung ziemlich schräger Fantasien beschäftigt, was seine damaligen Lehrer und auch seine Eltern ein ums andere Mal schockierte. Aber fröhliche und lustige Motive waren eben noch nie seine Sache. Das Düs­tere, die Schatten und dunkle Kreaturen faszinieren ihn viel mehr als alles andere. Die Wahrhaftigkeit des Häßlichen schätzt er viel mehr, als ­eine oberflächliche Schönheit.

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Wer auf der Suche nach Black & Grey-Arbeiten in außergewöhnlichem Stil ist, der darf sich bei ­Lenu in den allerbesten Händen fühlen. Das auffällige an seinem Stil ist die Verteilung von Farb­effekten. Während andere Künstler oft mittels Weißlicht- beziehungsweise Glanz-Effekte setzen, um eine stärkere Räumlichkeit zu erzeugen, kommt Lenu fast ohne diese Effekte aus, um einen hohen dreidimensionalen Eindruck zu erwecken. Zwar sagt er über sich selbst, dass er immer noch seinen ganz persönlichen Stil suchen würde, doch seine Kunden sind da meist ganz anderer Meinung. Seine mittlerweile 10-jährige Erfahrung ist geprägt von den vielen Gesprächen und Inspirationen unzähliger Kunden. Er selbst ist davon überzeugt, dass sein Lernprozeß nie zu Ende geht. Ständig lernt er dazu, denn mit jedem neuen Kunden tritt ihm eine neue Herausforderung entgegen, eine neue Anatomie und ein ganz neuer, individueller Kundenwunsch.
Tattoo-Fans, die zu Lenu kommen, suchen meist nicht das Katalogmotiv von der Stange, sondern etwas ganz Ausgefallenes. Natürlich gibt es auch diejenigen, die ihr Tattoo lieber aus der Vorlagenmappe haben wollen. Doch wirklich Spaß machen ­Lenu die Kunden, die ihn vor eine schwierige Aufgabe stellen. Daran wachse er und entwickle er sich weiter, so erklärt er mir.

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Vor gut zehn Jahren eröffnete Lenu sein Studio Tattooalien im polnischen Walbrzych. Anfangs noch naiv und in vielen Dingen recht blauäugig, aber glücklicherweise mit unglaublich viel Talent gesegnet, mußte Lenu in den ersten Jahren viel Lehrgeld bezahlen. Denn der Beruf des professionellen Tätowierers stellte sich sehr schnell als schwieriger heraus, als zunächst vermutet. Doch mit viel Geduld, ebenso viel Engagement und sehr viel Zeit, biß sich Lenu durch diese harte Zeit. Der Wunsch, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, seinen innigsten Wunsch zu leben, war einfach größer als jedes Problem oder Hindernis, das sich ihm in dieser Zeit in den Weg stellte.

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Heute ist er seinem großen Ziel um einiges nähergekommen. Die Freiheit, Motive zu tätowieren, die er selbst mag und die Möglichkeit, seiner Fantasie und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, sind für Lenu fast greifbar, denn immer mehr Kunden kommen nicht zu ihm, um sich ein „normales“ Dark Art-Tattoo stechen zu lassen. Nein, sie wollen einen echten Lenu und lassen dem Künstler fast grenzenlosen Raum für seine eigenen Ideen. Für dieses Vertrauen, das die Kunden Lenu schenken, werden sie letztendlich reichlich belohnt, denn als Gegenleistung erhalten sie eine Tätowierung, wie sie individueller wohl kaum sein könnte.

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