Tattoo Architektur

By on 17. Oktober 2016

Ein Tattoo ist für immer und daher
sollte es auch gewissenhaft geplant werden

Tattoo Architektur? Gibt es so etwas überhaupt? Eigentlich schon, denn ähnlich wie ein Architekt bei der Planung eines Bauwerkes unendlich viele Sachen zu beachten hat, damit das ganze Gebilde nicht gleich wieder in sich zusammenfällt, müssen bei einem größeren Tattoo-Projekt auch alle Einzelteile so miteinander verbunden werden, dass sich ein einheitliches Gesamtbild ergibt.

Einmal begangene Fehler lassen sich da nur schwer wieder beheben, da eins das andere beeinflußt und alles aufeinander aufbaut. Im Gegensatz zum Tattoo-Neuling hat ein TattooArchitektur Architekt aber einen großen Vorteil: Von Beginn an hat er das gesamte Projekt vor Augen und kann dementsprechend agieren. Das sieht beim Neuling, der gerade seine erste Tätowierung plant in der Regel ganz anders aus. Da freut man sich auf sein erstes „Stück“, über das man sich vielleicht schon seit langer Zeit Gedanken gemacht hat und denkt ja nicht im Traum daran, dass das erst der Anfang eines längeren Weges sein könnte. Dieses Eine hat man sich gewünscht und fertig. Da kann sich der Tätowierer den Mund noch so fusselig reden, daß man eventuelle Erweiterungen schon mal gleich mit einplanen sollte. Es nützt nichts und plötzlich ist es da, das kleine, tiefschwarze Tribal auf dem Schulterblatt, welches so gar nicht zu dem japanischen Sujet passen will, dass man einige Zeit später im Auge hat und in Zukunft den Rest des Rückens schmücken soll. Meist ist in solchen Fällen zwar durch Überdeckung oder Einarbeitung des alten Motivs noch etwas zu machen, doch muß man dabei Kompromisse eingehen, die man so eigentlich nicht haben wollte. Dies fiel mir wieder besonders auf als ich bei Kai und Ingrid (Kailitos Way, Duisburg) zu Besuch war um mal endlich wieder an ein paar neue Fotos von ihnen zu gelangen. Da zaubern die Leutchen die geilsten Sachen auf die Haut, nur ist der Untergrund leider allzu oft bereits verbaut und ein harmonisches Gesamtbild kaum noch oder nur über Umwege zu erzielen.

00005-tattoo-spirit-Fernando Shimizu

00013-tattoo-spirit-Kuba Packo Smola

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Das ist für den Tätowierer, der seine ganze Energie in seine Arbeiten steckt, nicht unbedingt sehr befriedigend und für den Träger schlicht traurig. Besonders weil es in den meisten Fällen leicht zu vermeiden gewesen wäre. Für uns ist es jedenfalls Grund genug mal ein paar Zeilen für all diejenigen von Euch zu schreiben, die sich gerade erst mit dem Gedanken befassen, sich das erste mal tätowieren zu lassen. Für alle anderen gibt es hier ein paar neuere Arbeiten von „Kailitos Way“, die nur sehr bedingt etwas mit diesem Thema zu tun haben. Ein Patentrezept oder eine Art Muster-Bauplan können wir natürlich auch nicht bieten aber vielleicht ein wenig zum Nachdenken anregen, damit die Freude über die erste Tätowierung auch ein Leben lang anhält und sie nicht später zum fiesen Störfaktor mutiert. Aber wie geht man ran ans erste Tattoo? Ganz allgemein ist es in der Regel doch so: Man hat sich sein Wunschmotiv ausgesucht oder es sogar selbst entworfen und auch gleich die vermeintlich richtige Stelle dafür gefunden. Doch genau da beginnt das Dilemma. Ist die Stelle für das Motiv auch wirklich die richtige wenn man noch nicht genau weiß wie es weitergehen soll? Nehmen wir z.B. als Motiv ein Portrait und das Schulterblatt als die betreffende Körperstelle. Wird ja immer wieder gern genommen und ist im Grunde auch nichts gegen zu sagen. Blöd wird es erst dann, wenn man sich später mal ein großflächiges Rücken-Tattoo wünscht.

00010-tattoo-spirit-Josh Duffy
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An einem Portrait lässt sich nur schwer etwas anderes anbauen. Und überdecken will man es ja auch nicht unbedingt. Schon gar nicht wenn es mit Erinnerungen verbunden ist. TattooArchitektur Also bleibt nur übrig, es auszusparen und für sich stehen zu lassen. In der Regel wird es dann aber immer als störend empfunden. Das ist wie bei der Fotografie: Da macht man eine wirklich gelungene Landschaftsaufnahme und irgendwo am Bildrand steht dieser Stromkasten. Genau der ist es aber, den wir mit unserem Auge als erstes wahrnehmen wenn wir das Foto betrachten, weil er sich einfach nicht harmonisch in die Landschaft einfügt. Bei einer Tätowierung verhält es sich nicht anders. Besser wäre gewesen, man hätte das Portraitz.B. ein Stückchen weiter, auf den Oberarm platziert. Da kann es ungestört für sich stehen, der Rücken ist unverbaut und wenn man den Arm erweitern möchte, kann man das Portrait (z.B. mit Hilfe einer Banderole) relativ leicht von der Erweiterung abgrenzen. Ein Tribal-Motiv auf gleicher Stelle (Schulterblatt) ist meistens eine noch größere Katastrophe. Zumindest dann, wenn es tiefschwarz und somit kaum anständig zu überdecken ist.

00025-tattoo-spirit-Chico Morbene
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Trotzdem läßt sich auch daraus noch etwas machen wenn man die Form geschickt genug gewählt hat. Durch Spiegelung auf die andere Seite wird das Ganze wieder symmetrisch und beide Elemente zusammen können dann wieder Teil eines Rahmens wirken. Aber auch das ist nur eine Notlösung, die in den seltensten Fällen wirklich gut aussieht. Generell würde ich aus diesem Grund davon abraten ein kleineres Motiv auf eine größere Fläche zu platzieren. Man verbaut sich meist zuviel damit. Und auch wenn man momentan noch davon überzeugt ist, dass es bei dieser einen Tätowierung bleiben wird, kommt es doch meist anders. Eigentlich geht es, besonders bei der ersten Tätowierung, deshalb immer um das Gleiche wenn man noch kein komplettes Konzept hat: Man sollte sich in diesem Fall so viele Wege wie eben möglich offen halten. Idealerweise sollte man den betreffenden Bereich des Körpers (Arm, Bein, Rücken,…) aber gleich von Anfang an komplett durchplanen oder sich zumindest auf eine bestimmte Stilrichtung festlegen, was für spätere Erweiterungen schon mal äußerst wichtig ist. Ein harmonisches Gesamtbild ist dann leicht zu erzielen.

00020-tattoo-spirit-Mandy Denise

Im traditionell asiatischen Stil kann man dabei wohl am wenigsten falsch machen, da sich die einzelnen Elemente fast immer auf sehr TattooArchitektur ästhetische Art und Weise zusammenfügen lassen. Da kommt es dann vor Allem auf die Wahl der richtigen Größe an. Damit legt man sich bereits für spätere Erweiterungen fest, denn die Proportion der Einzelteile zueinander muß schließlich auch stimmen. Meistens wird dabei der Fehler begangen eine zu kleine Größe zu wählen. Das passiert aber nicht (oder seltener), wenn man sich das Motiv als Teil eines Gesamtbildes vorstellt. Und wenn man später doch nicht erweitern will? Na, dann hat man wenigstens eine Tätowierung in anständiger Größe. Und die wirkt dann ohnehin besser. Alles in Allem ein sehr umfangreiches Thema. Wir wollten hier auch nur einige Anregungen geben. Aber wenn man ein paar Grundregeln beachtet, sein Vorhaben vorausschauend plant und sich ausführlich mit seinem Tätowierer bespricht, kann man gar nicht mehr viel falsch machen. Dann hält die Freude über die erste Tätowierung auch ein Leben lang.

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