Das Mittelalter

By on 17. Oktober 2016

Ritter, Krieger, Schwerter und Schlachten
Die Welt des Mittelalters ist duster und brutal

Kaum eine Epoche liefert uns so viele Mythen und Legenden wie das Mittelalter. Ob Drachen, Magier oder edle Ritter, sie alle finden hier ihren Platz. Und obwohl diese Zeit schon längst vergangen sein mag, finden dennoch die tiefen Bedeutungen der unterschiedlichen Motive dieser Tage ihren Weg bis in unsere Gegenwart.

Die Gründe für die Wahl einer mittelalterlichen Tätowierung sind ebenso unterschiedlich wie die Motivvielfalt selbst. DasMittelalter Sehr oft sind mit dem Motiv verflochtene Charaktereigenschaften der Initiator für derartige Tattoos. So wie zum Beispiel auch bei Thomas, Bankkaufmann und begeisterter Tattoo-Fan aus Koblenz: »Den Ritter habe ich mir stechen lassen, um mich immer an das Gute zu erinnern. Gerade in unserer heutigen Zeit finde ich es nicht verkehrt, sich selbst öfter einmal an Menschen zu erinnern, deren ständiges Bestreben es war, für andere Gutes zu tun. Der Ritter steht für Stärke, Mut, Hilfsbereitschaft, Ehre und noch viele weitere positive Eigenschaften. Mir ist natürlich bewußt, daß der klassische Ritter, wie ich ihn aus den Filmen meiner Kindheit kennengelernt habe, nie wirklich existiert hat. Doch in dieser Beziehung bin ich nun mal hoffnungslos romantisch und halte daher an dem Bild des edlen, treuen Ritters fest.

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In der Tat sind mittelalterliche Motive einerseits von unseren heutigen Vorstellungen über jene Zeit geprägt, die mit der Realität nichts zu tun haben (wie z.B. der weise alte Zauberer, der in Wahrheit vermutlich als Ketzer auf dem Scheiterhaufen gelandet wäre), andererseits basieren einige Bedeutungen noch immer auf den ursprünglichen Ängsten der Menschen, sei es der feuerspeiende Drache, der als Bestie das perfekte Jagdziel des tapferen Ritters war, oder Dämonen, die im „finsteren“ Mittelalter eine regelrechte Hochkonjunktur feierten, denn mit der Macht der Kirche wuchs sowohl die Angst vor dem Zorn Gottes als auch die Furcht vor teuflischen Dämonen, die den Körper jedes noch so frommen Mannes heimsuchen konnten.

Aber wieso eigentlich „finsteres“ Mittelater? Nun, als Mittelalter bezeichnen Historiker den dunklen Abschnitt der europäischen Geschichte, der zwischen der Antike und der Neuzeit liegt. Dabei sind die Übergänge zwischen diesen Epochen natürlich fließend. In den meisten sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzenden Texten beginnt das frühe Mittelalter mit dem durch die DasMittelalter Völkerwanderung besiegelten Fall des Römischen Reiches, wobei sich die extremen strukturellen Veränderungen jener Zeit auch in einem massiven Verlust von Wissen und Kultur im gesamten europäischen Raum äußern. Die gewaltigen architektonischen Leistungen der Römer zerfielen in Schutt und Asche, die nachfolgenden Völkerscharen errichteten auf den Trümmern eine neue, weitaus primitivere Zivilisation, in der die seit den frühen Hochkulturen in Ägypten und Mesopotamien gemachten wissenschaftlichen Errungenschaften, die von Griechen und Römern so vorzüglich zur Vollendung gebracht worden waren, fast vollständig vergessen und zum Teil erst sehr viel später wiederentdeckt wurden. Vor allem den Bestrebungen der frühen christlichen Mönchsorden ist es zu verdanken, daß nicht alles Wissen verloren ging, denn sie sammelten und kopierten die alten Texte der Griechen und Römer, übersetzten sie ins Lateinische und behüteten sie wie einen kostbaren Schatz.

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Erst Karl der Große leitete um 800 n.Chr. eine kulturelle Wende ein, indem er die alten Schriften der Antike sorgfältig und in großem Umfang rekonstruieren und studieren ließ. Mit ihm begann eine neue Zeit, die sich schließlich in der Bildung der großen europäischen Königs- und Kaiserreiche und der Herrschaft von Feudalismus und Lehnswesen äußerte. Das Mittelalter stellt sich als eine etwa tausendjährige Epoche dar, in der die Mehrheit der in Europa lebenden Menschen praktisch versklavt war. Es steht für die Diktatur des Glaubens durch die römisch-katholische Kirche, die gewalttätige Auslebung von religiösem Fanatismus in vorher nie gekanntem Maßstab (Kreuzzüge und Hexenwahn sind nur zwei Stichpunkte), die Ohnmacht der untersten Volksschicht gegen das ungerechte Ständesystem und für die bewußte Unterdrückung von Wissen und Bildung. Die Interprätation der in Latein gehaltenen Bibel – der wichtigsten Schrift jener Zeit – blieb aufgrund der weitgehend unbelesenen Bevölkerung, die gar kein Latein sprach, der Kirche vorbehalten; sie allein bestimmte, stets im Sinne von Religion und Staat, das „korrekte“ Weltbild und suggerierte dem Volk eine religiös fundamentierte Ordnung der Dinge, die es in Wahrheit gar nicht gab. Der Kirche nach waren alle von oben verordneten Untaten rechtens (schließlich wurden Könige und Kaiser vom unfehlbaren Papst gekrönt), und am Ende des Weges wartete ja auf jeden wahrhaft Gläubigen zur Belohnung das Paradies;

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So halfen sich Kirche und Adel gegenseitig, und die Menschen mühten sich um „rechte“ Lebensweise, um wenigstens nach dem Tod glücklich zu werden. Erst diese Hörigkeit des Mittelalter gegenüber Staat und Religion konnte zu den anatischen Auswüchsen führen, die uns das Mittelalter so gerne als „finster“ definieren lassen. Die Kirche mühte sich, dem Volk Angst vor der Dunkelheit der eigenen Seele zu machen, erklärte Menschen, die durch zuviel Weisheit und Wissen über den wahren Stand der Dinge zum Problem wurden, zu Ketzern und schürte die Furcht vor dem Teufel und seinen Kreaturen. Kurz gesagt: Es war ein Zeitalter der Angst vor sich selbst, die man dann an seinem Nächsten ausließ, ein perfekter Nährboden für die Heils und Haßlehren der allein seeligmachenden Kirche. Zuende geht das Mittelalter dann mit dem Aufkeimen des Widerstandes gegen diese ungerechten Strukturen und den alleinigen Anspruch der katholischen Kirche auf die Religion. Die Übersetzung der Bibel in die jeweilige Landessprache ermöglichte es plötzlich sogar dem einfachen Mann, die „Fehler im System“ zu erkennen, und der Wunsch nach Veränderungen wuchs; die Reformation brachte echte Alternativen für religiöse Lebensführung ins Spiel, und die Renaissance führte im künstlerisch-kulturellen Bereich zu einer neuen Freiheit des Denkens, was sämtliche Vorrechte, die sich die Oberschicht jahrhundertelang gesichert hatte, in Gefahr brachte.

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Was folgte, war dementsprechend eine extrem blutige Zeit der Veränderung, in der Adel und Kirche ihren Machtverlust mit allen Mitteln zu verhindern suchten. Die einmal begonnenen Umwälzungen aber setzten einen nicht mehr aufzuhaltenden Prozeß in Gang. In einer Zeit, in der die religiösen Dogmen bröckelten, konnten sich Wissenschaft und Bildung wieder frei entfalten. Der Mensch redefinierte seinen Platz im weltlichen Gefüge. Die Neuzeit hatte, wenn auch unter Schmerzen, begonnen, und brachte den Menschen eine eue Art von Licht und Schatten. All dies erklärt, warum bestimmte Motive, die sich in verschiedenen Kulturkreisen finden lassen, in ihrer europäischen Gestalt einen finsteren Aspekt annehmen. Am deutlichsten trifft das auf sagenhafte Wesen zu: Die bei uns negativ behafteten Dämonen sind in der europäischen Kunst stets von Tod und Verderben umgebene Teufel; andere Kulturen gehen mit Geisterwesen freundlicher um. Auch der Drache ist im asiatischen Raum ein Glücksbringer, bei uns aber die Bestie, die vom tapferen Helden erschlagen werden muß; der Drache als Freund des Helden entstammt eher der moderneren Fantasy-Literatur.

Ein Großteil der klassischen Mittelalter-Motive wird im realistischen Tattoo-Stil dargestellt und demnach meist in schwarz/grau gestochen. Für eine wirklich optimale Darstellung eines Mittelalter-Tattoos bedarf es eines erfahrenen Künstlers. Daher sollte die Suche nach einem passenden Studio nicht leichtfertig verlaufen. Hinreichende Recherche und ausreichende Vergleiche sind äußerst wichtig, um den Wunschtätowierer zu finden. Hinzu kommt noch: Ein alter Merlin hat nun schon 1500 Jahre gewartet, um auf deiner Schulter, deinem Arm oder deinem Rücken ein passendes Plätzchen zu bekommen – auf den einen oder anderen weiteren Monat kommt es nun auch nicht mehr an.

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