Herbert Hoffmann

By on 3. Mai 2014
HerbertHoffmann

Herbert Hoffmann – die große Tattoo-Legende. Es gibt kaum eine Tattoo-Convention, bei der er nicht schon zu Gast gewesen ist, und allen professionellen Tätowierern in Europa ist er ein bekanntes und beliebtes Vorbild.
Herbert Hoffmann wurde 1919 in Freienwalde (Pommern) geboren. In einer aufstrebenden, begüterten, protestantischen Fleischerfamilie aufwachsend, hatte er eine sehr strenge Erziehung nach preußischen Tugenden. Es folgten Volksschulbesuch, Kaufmannslehre, Arbeit als Kaufmannsgehilfe. Herbert wurde im Arbeitermilieu groß. Um ihn herum lebten einfache Menschen, arme Tagelöhner, harte Arbeiter. »Ich empfand eine Hochachtung vor diesen anspruchslosen, arbeitsamen und zufriedenen Menschen. Viele, sehr viele von ihnen waren tätowiert … sie wurden meine Vorbilder.« 1939 Reichsarbeitsdienst in Pölitz bei Stettin, dann 1941–1945 Wehrmachtsoldat im Russlandfeldzug bei den Fernmeldern. »Als ich 1943 einen stark tätowierten Hafenarbeiter arglos fragte, ob er mir sagen könne, wo ich mich tätowieren lassen könnte, antwortete er mir: »Ich bin gerade erst aus dem KZ gekommen, ich will nicht wieder dahin zurück!«

Sein allererstes Tattoo war das Seefahrermotiv Glaube, Liebe, Hoffnung

Bis 1949 war Herbert in Kriegsgefangenschaft in Lettland. Nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft arbeitete er eine Zeit lang als Anzeigen-Aquisiteur und Vertreter in Bad Kissingen, später in Düsseldorf. Sein allererstes Tattoo war das Seefahrermotiv Glaube, Liebe, Hoffnung (Anker, Kreuz und Herz). »Seit dieser Zeit fragte ich alle Tätowierten, die ich auf den Reisen als Handelsvertreter sah, ob ich sie gratis tätowieren dürfte. Zehn Jahre lang habe ich Hunderte gratis tätowiert. Ich machte ihnen damit eine Freude und bildete mich selbst im Tätowieren fort.«
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1960 wollte Herbert Hoffmann bereits sein erstes Studio eröffnen, doch die Bürokratie kam ihm in die Quere, denn es folgte eine Ablehnung der Gewerbeerlaubnis mit der Begründung, Tätowieren sei kein Beruf.
1961 siedelte Herbert nach Hamburg über und übernahm dort das Tattoostudio von Paul Holzhaus am Hamburger Berg in St. Pauli. Christian Warlich, der König der Tätowierer, weiht ihn zum Kronprinzen. Nach dessen Tod 1965 führt Herbert die älteste Tätowierstube in Deutschland. Seine sympathische, ehrliche und zuverlässige Art machten das Tattoostudio schnell erfolgreich und überall bekannt. Lange Zeit blieb es das einzige Tattoostudio in ganz Deutschland. In der Zeit von 1950 bis 1990 tätowierte Herbert schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Menschen, etwa 400 tätowierte Menschen porträtiert er, wobei eine in der Tattoo-Szene einzigartige Sammlung von fast 3.000 Schwarzweiß- und Farbfotos entsteht. »Meinen tätowierten Vorbildern habe ich alles zu verdanken, was ich geworden bin. Zum einen selbst Tätowierter, wie ich es mir immer gewünscht hatte, und dann noch ein guter, erfolgreicher Tätowierer. Für mich gibt es keine Arbeit und keinen Beruf, in dem ich hätte glücklicher sein können.«
Seit 1981 lebt Herbert eigentlich im Ruhestand in der Schweiz. »Er wohnt heute in Heiden (Schweiz), besucht Tattoo-Messen in ganz Europa, gilt als lebende Legende, als Pionier der Tätowiergeschichte. »Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann komme ich zu dem eindeutigen Resultat: Ich habe richtig gehandelt, dass ich mit Mutter Natur gelebt und mich nicht gegen sie gestemmt habe. Hätte ich aus angeblicher Rücksicht auf meine Umgebung oder aus ängstlichem Kleinmut meine Tätowierlust unterdrückt, so wäre ich zeitlebens unglücklich gewesen. Seit ich tätowiert bin, ist mein Leben schön und sinnvoll.«

Herbert verstarb am 30. Juni 2010 nach einer Jahrzehnte langen Karriere als einer der wichtigsten Pioniere der deutschen Tattoo-Szene.  Herbert Hoffmann war lange Zeit Deutschlands ältester Tätowierer und genießt auch jetzt noch, lange noch seinem Tod in ganz Europa allerhöchstes Ansehen. Auf den unterschiedlichsten Tattoo-Veranstaltungen rund um den Globus war Herbert stets ein gern gesehener Gast. Herbert hatte sich wie kaum ein zweiter um das Wohl des Tätowierkunstwerkes bemüht, und ihm gebührt ein ganz besonderer Platz in der Hall of Fame.

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