Georgs Haare sind eine Geschichte voller Missverständnisse.
Sonntag, Mai 30th, 2010
Georgs Haare sind meiner Meinung nach eine eigene Lebensform. Er leugnet das auch gar nicht. Er sagte neulich erst, seine Haare und er hätten sich vor etlichen Jahren entschlossen, getrennte Wege zu gehen und seither macht jeder von ihnen was er will. Als er das erste mal in unseren Verlag kam, sah Georg ein wenig aus, wie Vetter It. Als die langen Haare und der Rauschebart irgendwann verschwunden waren, bin ich an ihm vorbeigelaufen, ohne ihn zu erkennen aber nach einer Weile hat mir jemand verraten, dass es sich bei dem Mann in Martins Büro um Georg handelt, so dass ich wieder im Bilde war.
Normalerweise ist es mir egal, was jemand mit seinen Haaren macht, aber wenn einem die männliche Medusa in dem Moment wenn sie den Raum betritt das Licht nimmt, weil die Haare sogar in Richtungen weg stehen, die physikalisch eigentlich gar nicht möglich sind, dann versuche ich, ihn zu meinem (zugegebenermassen sehr biederen) Frisurengeschmack zu bekehren. Aber Georg widerstand meinen Versuchen standhaft.
Eine Viertelstunde später tat er mir dann allerdings ein bißchen leid, denn um in sein Büro zu kommen musste er an etlichen anderen Büros, bzw. Kollegen vorbei und sah sich offenbar an jeder Stelle der selben Diskussion ausgesetzt.
Und so stand er mit hängendem Kopf und ausgestreckter Hand vor mir und sagte mit einem Blick der Steine erweichen lassen konnte: „Kann ich mal deine Bürste haben?“

















